Narrative des Lebendigen – vom Eigenleben der Modelle

19.05.2015 | 19:00 - 22:00
Tieranatomisches Theater

Ein Abend im Rahmen der INTERFERENZEN – Reihe.

In der Biologie und Medizin finden zweckorientierte Sprechweisen (z.B. Die Zelle macht dies, um jenes zu erreichen) auch heute noch weite Verwendung, um einzelne physiologische oder biochemische Prozesse bzw. Zusammenhänge zwischen Körperbestandteilen zu beschreiben. Diese teleologische Konzeption biologischer Vorgänge ist ein nur allzu geläufiges Narrativ, wird allerding problematisch, wenn biologische Teilentitäten selbst als intentionale Akteure (z.B Die Zelle will dies oder jenes) plausibel gemacht werden.
Um auf den hierdurch aufgespannten Problembereich einzugehen, soll der Abend sich zunächst teleologischen Argumentationsfiguren in der experimentellen Physiologie widmen, also danach fragen, inwiefern konkrete naturwissenschaftliche Modelle dazu in der Lage sind, zweckorientierte Konzeptionen der Einzelbestandteile dieser Modelle durch konsistente Wirkzusammenhänge empirisch darstellbarer Fakten zu ersetzen. Lassen sich damit teleologische Beschreibungen rüchstandslos in mechanische auflösen?
Ein zweiter Beitrag soll sich dann dem Telosbegriff wissenschaftstheoretisch nähern. Dabei soll unter anderem dessen Bedeutung für die Auffassung von organisierten bzw. Lebe-Wesen z. B. in der Kantischen Kritik der Urteilskraft Thema werden. Wie verlaufen dabei die Grenzen der Abbildbarkeit von Lebendigem in Modellen? Und welche Erklärunshindernisse ergeben sich ggf. aus der Eigendynamik bzw. dem Eigenleben dieser Modelle?

Referenten:

Andreas Zakrzewicz, Charité Berlin – Institut für Physiologie

Georg Toepfer, Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin

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Tieranatomisches Theater

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Tieranatomisches Theater
Philippstr. 12/13, Haus 3
10115 Berlin

Tieranatomisches Theater Berlin Saalansicht
Foto: Stefan Josef Müller, Berlin http://www.museumsportal-berlin.de/de/museen/tieranatomisches-theater/

Das 1790 erbaute Tieranatomische Theater ist das älteste erhaltene Lehrgebäude Berlins und ein Meisterwerk des preußischen Frühklassizismus. Es wird seit 2013 vom Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik als Raum für Ausstellungen mit Laborcharakter betrieben. Ausgehend von Forschung und Lehre an der Humboldt-Universität zu Berlin sind die Projekte der interdisziplinären Erforschung materieller Wissenskulturen und neuen Praktiken des Ausstellens gewidmet.