DAS KOMPLEMENTÄRE: Ergänzung, Widerspruch, Alternative? zwei Geschichten einer Denkfigur

27.11.2015 | 19:00 - 22:00
Tieranatomisches Theater

Wissenschaftliche Theorien und lebensweltliche Konzepte können aufeinander aufbauen, sich gegenseitig in Frage stellen, einander ausschließen. Können sie einander auch komplementieren?

Prominent wurde dies am berühmten Doppelspaltversuch diskutiert, für dessen Interpretation Niels Bohr das Komplementaritätsprinzip vorschlug um Wellen- und Teilchencharakter des Beobachteten zu versöhnen. Um diesen speziellen Modus des Komplementären soll es gehen, wenn wir fragen: Wie können sich widerstreitende Theorien gegenseitig bereichern? Wodurch wird das Alternative zum Komplement? Wie können wir uns in inkommensurablen Theorieräumen bewegen und dennoch von derselben Sache sprechen?

Als Beispiele für historische Konzeptionen des Komplementären sollen neben den bohrschen Erwägungen zur Physik des 20. Jahrhunderts zunächst chinesische Traditionen der Heilkunde dienen. Sie enthalten zum einen selbst Konzeptionen zueinander komplementärer Elemente, zum andern werden diese Traditionen als Ganze in der westlichen Welt von einigen als komplementär zu westlicher Medizin / Heilkunde verstanden. Wie verhalten sich also diese und „andere“ Heilweisen zueinander? Handelt es sich um therapeutische Parallelwelten, welche voneinander unberührt nebeneinanderher existieren, oder sind sie tatsächlich aufeinander bezogene Komplemente des andern, welche sich erst gemeinsam zu der „ganzen“ Heilkunde verbinden?
Komplementiert wird diese historische Untersuchung von einer wissenschaftstheoretischen Analyse der Implikationen komplementärer Konfigurationen in den Naturwissenschaften.

Vortrag und Gespräch:
Prof. Paul Ulrich Unschuld – Charité Berlin
Prof. Christina Vagt – TU Berlin

C. Vagt:

P. U. Unschuld:

  • “Was ist Medizin? Westliche und östliche Wege der Heilkunst“, C.H.Beck, 2012
  • “Ware Gesundheit. Das Ende der klassischen Medizin“, C.H.Beck, 2014
  • “An Interview with Paul U. Unschuld”,  Accupuncture Today, July, 2004, Vol. 05, Issue 07

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Tieranatomisches Theater

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Tieranatomisches Theater
Philippstr. 12/13, Haus 3
10115 Berlin

Tieranatomisches Theater Berlin Saalansicht
Foto: Stefan Josef Müller, Berlin http://www.museumsportal-berlin.de/de/museen/tieranatomisches-theater/

Das 1790 erbaute Tieranatomische Theater ist das älteste erhaltene Lehrgebäude Berlins und ein Meisterwerk des preußischen Frühklassizismus. Es wird seit 2013 vom Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik als Raum für Ausstellungen mit Laborcharakter betrieben. Ausgehend von Forschung und Lehre an der Humboldt-Universität zu Berlin sind die Projekte der interdisziplinären Erforschung materieller Wissenskulturen und neuen Praktiken des Ausstellens gewidmet.